Uhrenkrieg zwischen USA und der Schweiz?

Die Schweizer Uhren-Arbeiter sind empört und protestieren auf den Straßen
Aus Protest gegen die Zollerhöhung durch die USA gehen Tausende Arbeiter auf die Straße (Roman Nerud © 123RF.com)

Am 28. Juli 1954 erhöhen die USA den Zollsatz auf Schweizer Uhren um 50 Prozent. Der Uhrenkrieg beginnt!

Von „engstirnigem Protektionismus“ und von „äusserster Rücksichtslosigkeit“ berichtet die NZZ in ihrer Abendausgabe vom 28. Juli 1954. Und das zu Recht, denn mit einer fadenscheinigen Begründung hatte US-Präsident Dwight D. Eisenhower den Zollsatz auf Schweizer Uhren mit mehr als 17 Steinen von 35 auf 53 Prozent erhöht und damit den Uhrenkrieg ausgelöst. Das trifft die  Schweizer Uhrenfabrikanten hart!  Tausende Arbeiterinnen und Arbeiter bangen um ihren Arbeitsplatz, denn die USA sind einer der wichtigsten Handelspartner der Schweizer Uhrenindustrie.

Die Schweiz exportiert zu dieser Zeit ein Drittel ihrer Uhrenproduktion in die USA und schon der bis dahin geltende Zollsatz von 35 Prozent ist außerordentlich hoch. Die Anhebung auf 53 Prozent droht die Helvetische Uhrenindustrie in den Ruin zu treiben. Die Wut über diesen Uhrenkrieg ist groß bei den Eidgenossen. Im Jurabogen, dem Zentrum der Uhrenindustrie, gehen Tausende wütende Bürger auf die Straße und in Bern bestellt der schweizer Außenminister Max Petitpierre die amerikanische Botschafterin ins Bundeshaus ein.

 

Dwight D. Eisenhower, US-Präsident 1953 - 1961 begann 1954 den Uhrenkrieg mit der Schweiz
Dwight D. Eisenhower, US-Präsident 1953 – 1961 (Nevtali77 © 123RF.com)

Weshalb diese harte Vorgehensweise der USA?

Nach offizieller Redensart würden die Schweizer Importe der eigenen Uhrenindustrie „schweren Schaden“ zufügen. Auch müsse das Militär auf Präzisionsinstrumente aus heimischer Fabrikation zählen können. Doch diese Argumente sind nur vorgeschoben. Denn die amerikanische Uhrenindustrie ist gesamtwirtschaftlich unbedeutend, sie besteht aus drei Unternehmen, die beste Verbindungen in die Regierung haben und sich prächtig auf Lobbyarbeit verstehen. Durch ihren Einfluss nötigte Amerika die Schweiz dazu, 1950 eine Ausnahmeklausel in den bilateralen Handelsvertrag aufzunehmen, die diese  Zollerhöhung ermöglichte. Der damalige Präsident Truman widerstand noch dem Druck, die Klausel anzuwenden und damit einen Uhrenkrieg zu beginnen. Nachfolger Eisenhower gibt jedoch dem Druck der Uhren-Lobby nach. Die Schweizer Uhrenindustrie trifft Eisenhowers Entscheidung äußerst hart: Ihre Exporte in die USA stürzen bis ins Jahr 1960 auf 30 Prozent der vormaligen Höhe ab. Nach dem Beitritt zum GATT-Abkommen 1967 und dem daraus folgenden Zollabbau normalisiert sich der Export nach USA.

 

 Ist ein Uhrenkrieg heute vorstellbar?

Vor der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA hätte wohl jeder gesagt, dass ein Handelskrieg in unserer heutigen globalen Welt nicht möglich wäre. Zu vernetzt sind die Wirtschaftsysteme der einzelnen Länder und der freie Handel hat in den vergangenen Jahrzehnten zu  einem enormen Anstieg des weltweiten Wohlstands geführt. Donald Trump jedoch sorgt mit seiner Politik „America first“ dafür, dass bestehende Verträge und Handelsabkommen für die USA keine Gültigkeit mehr haben.  So erinnert die Begründung für die Zollerhöhung auf Stahl und Aluminium fatal an die Begründung, mit der der Zoll für Schweizer Uhren erhöht wurde: Die Sicherheit Amerikas steht auf dem Spiel! Waren es damals Präzisionsinstrumente aus eigener Produktion, so sind es heute Stahl und Aluminium.

Ein so plumpes Manöver wie das von 1954 war bis gestern nur schwer vorstellbar, doch heute ist es Realität.

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